Die Kommunale Wärmeplanung (KWP) liefert Ideen und Konzepte, der Weg zur Klimaneutralität 2045 ist gesetzt – und trotzdem geraten Projekte vor Ort ins Stocken. Jürgen Bähr, Inhaber von BERRYCOMM Kommunikationsberatung, beobachtet seit Beginn den Fortgang der KWP und erklärt im Interview, warum gerade jetzt und auf lange Sicht eine durchdachte, transparente Kommunikation zu Energie- und Klimathemen entscheidend ist – und wie BERRYCOMM Kommunen und Unternehmen dabei u. a. mit der neuen Website energy.berrycomm.de begleitet.

Warum ist transparente Kommunikation bei Klima- und Energiethemen aktuell so wichtig?
Nehmen wir die Kommunale Wärmeplanung als Ausgangspunkt. Im Grunde wollen alle dasselbe: bis 2045 klimaneutral werden, und die KWP liefert dafür die Ideen und Pläne. Die eigentlichen Konflikte entstehen aber selten im Planungsverfahren selbst, sondern später – in der Umsetzung. Sobald erste konkrete Maßnahmen durchsickern und klar wird, was tatsächlich auf die Menschen vor Ort zukommt, kippt die Stimmung schnell von abstrakter Zustimmung zu sehr konkreter Sorge.
Was heißt das konkret – was kommt da „auf alle zu“?
Die Transformation zur Klimaneutralität mit erneuerbaren Energien kostet Zeit, Geld und bindet Kapazitäten – auf allen Seiten. Windparks, Großwärmepumpen, große PV-Flächen oder Biogasanlagen etc. brauchen viel Kapital und Platz, dazu Hoch- und Tiefbaukapazitäten, mitunter entstehen Lärm und Gerüche im Umfeld oder das Landschaftsbild verändert sich erheblich. Parallel stehen Eigentümerinnen und Eigentümer vor hohen privaten Investitionen bei der energetischen Sanierung – Heizung und Gebäudehülle. Das ist kein Randthema, das betrifft den Alltag vieler Menschen ganz direkt.
Ist diese gesellschaftliche Sensibilität etwas ganz Neues?
Im Kern nicht. Die Auseinandersetzungen um die Startbahn West am Frankfurter Flughafen in den 1980er-Jahren oder später Stuttgart 21 zeigen: Großprojekte mit spürbaren Eingriffen ins Lebensumfeld erzeugen Widerstand, das ist ein wiederkehrendes Muster. Neu ist allerdings das Ausmaß der Sensibilisierung seit dem „Heizungsgesetz“ 2024 – Planungen, Vorhaben und Umsetzungsschritte im Energiebereich werden seitdem besonders genau und kritisch beobachtet. Die mittlerweile wieder langwierige Entstehung und lang anhaltende Diskussion um das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) macht es aktuell nicht einfacher. Ähnliche Fehlerstrukturen wie 2023 in der Politik erzeugen wieder Unsicherheit, Kritik, Blockaden. Und das von vielen Seiten.
Wo liegt das eigentliche Risiko für Kommunen und Unternehmen?
Das Paradoxe daran: Gut gemeinte Kommunikation kann das Gegenteil bewirken. Wer zu früh Dinge als gesetzt darstellt, die aus der KWP oder aus Machbarkeitsstudien heraus noch gar nicht final geklärt sind, riskiert, dass andere gesellschaftliche Gruppen – etwa die regionale Wirtschaft – sich von negativen Auswirkungen betroffen sehen. Die Folge können nachhaltige Blockaden und Markteinbrüche sein, die sich kaum mehr auflösen lassen. Andererseits können konkrete und stimmige Informationen auch Investitionen anstoßen. Genau deshalb muss Kommunikation während des KWP-Verfahrens und erst recht in der Umsetzungsplanung gut durchdacht und transparent sein. Es geht darum, langfristig Vertrauen und Akzeptanz zu erzeugen.
Wie geht BERRYCOMM in der Beratung vor?
Am Anfang steht immer die Analyse – das zeigt auch die Grafik auf unserer Beratungsseite. Jedes Vorhaben vor Ort weist zwar Parallelen zu anderen Fällen auf, unterscheidet sich aber durch die handelnden Personen und die konkreten Details des Sachverhalts. Deshalb analysieren wir zunächst Thema und Relevanz, bevor wir daraus die passenden strategischen und taktischen Wege für die Kommunikation ableiten – kein Standardmodell, sondern eine auf die Situation zugeschnittene Vorgehensweise.
Was ist das Ziel dieser Kommunikation am Ende?
In der Regel drei Dinge: einen tragfähigen Konsens mit den betroffenen Gruppen zu finden, Vertrauen und Akzeptanz in der Bürgerschaft zu erzeugen und die Kommune handlungsfähig zu machen – damit sie ihre eigenen klimapolitischen Ziele tatsächlich umsetzen kann, statt in Verfahren und Widerständen steckenzubleiben.
Wie geht es nach dieser Analyse konkret weiter?
Darauf gehen wir auf der Beratungsseite im Detail konzeptionell ein – von der Stakeholder-Einordnung bis zur taktischen Umsetzung über die passenden Kanäle inkl. interesseweckender Kommunikationsmaßnahmen. Kommunen und Unternehmen, die jetzt am Anfang ihrer KWP- oder Umsetzungsphase stehen, sollten sich vor allem eines bewusst machen: Je früher Kommunikation mitgedacht wird, desto geringer das Risiko späterer Blockaden.
Jürgen Bähr ist Inhaber der BERRYCOMM Kommunikationsberatung und berät seit vielen Jahren Kommunen, Verbände und Unternehmen der Energiewirtschaft in Konflikt- und Klimakommunikation.